Grelles Pink trifft schwarzes Grau – Kapitel 11

Kapitel 11: Ups

Zu Weit

„Du hast was?“ Kai begann zu husten und räusperte sich, während er gequält „Vollidiot!“ heraus zischte. „Ja, ich hätte ihn unter „Wichser“ speichern sollen, nicht unter „Arsch“, dann wär das nicht passiert… ich hab nun mal keine Freunde mit „A“, die Anne heißen oder Andrea oder so…“ Noemis Stimme versagte, während sie nach weiteren Rechtfertigungen suchte. „Na ja, vielleicht erkennt man die Gesichter ja nicht… oder mein Gesicht. Was auch immer…“
Kai sah sie ausdruckslos an. „Du bringst das wieder in Ordnung. Irgendwann hört es auf. Agnes ist neu, und du machst sie fertig,“ sagte Kai und erhob gespielt ernst seinen Zeigefinger. „Das möchte ich nicht noch einmal sehen, Fräulein,“ grinste er.
Noemi schluchzte theatralisch. „Vielleicht guckt er es ja nicht an,“ und still flehte sie zum Himmel. „Wenn da oben wirklich einer ist, dann bitte zerstör sein Handy. Und gib meiner Mutter einen Mann, der viel Geld hat. Und mir gib nur das Geld, bitte!“
Keiner hatte Agnes bemerkt, die still auf ihren Platz in der Ecke geschlichen war. Sie war noch etwas blasser als sonst.

Schlecht

„Gehts dir nicht gut?“ schmatzte Silvia.
Agnes sah hoch. Ihr war wieder schlecht. Sehr schlecht. Weil sie nervös war. „Geht schon,“ lächelte sie vorsichtig. „Mir ist nur schwindelig.“
Herr Dr. Breitner betrat die Klasse. „Noemi, ich habe noch nicht mit Ihnen gesprochen. Aber ich denke, Sie stimmen mir zu, wenn ich das Bild an Ihre Mutter weiterreiche. Sie sollte wissen, wie Ihre Tochter versucht, an Ihre Noten zu kommen,“ und sein Lächeln war so genugtuend wie schon lange nicht mehr.
Noemi wurde blass, und Agnes lief aus der Klasse und übergab sich in einen der Blumenkasten auf dem Gang.
Das wars. Sie würde sich auf eine Reihe nicht sehr angenehmer Gespräche einstellen müssen. Ihre Mutter würde sie hassen. Und der Pfarrer… schon musste sie wieder würgen, als sie an die Gespräche mit ihm dachte, die folgen würden.

Noemi löschte wütend das Bild. Das war echt unfair. Immer waren alle gegen sie. Als Herr Breitner die Klasse wieder verlassen hatte, schluchzte sie los. Aber niemand kam zu ihr. Sogar Kai schüttelte den Kopf. „Du bist zu weit gegangen, echt jetzt,“ sagte er.
Und ihr „Aber es war ein Versehen!“ hörte er nicht mehr, denn die Musik seiner Band drang auf voller Lautstärke aus seinem Kopfhörer.


Das Team von gorizi.de bedankt sich ganz herzlich bei Honigfee für die schöne Geschichte.

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