Grelles Pink trifft schwarzes Grau – Kapitel 13

Kapitel 13: Annäherung

Stress

Jetzt war es an Agnes, verächtlich zu schnaufen. „Ich stresse hier niemanden, das bist du. Lesben können ja machen, was sie wollen, aber ich finde, es ist nicht der richtige Weg. Ich will damit nicht in Verbindung stehen, okay? Und jetzt bin ich vom Wettbewerb ausgeschlossen, und wenn meine Mutter davon Wind kriegt, gibt’s ne Reihe supertoller Gespräche. Also sag mir nicht, dass ich stressen soll!“ Sie war ein bisschen außer Atem geraten, aber so ganz ohne ihre Freunde und Verehrer um sich herum wirkte Noemi auf einmal so klein, wie sie war, oder noch kleiner. Sie erwiderte nichts, sondern nickte einfach nur zustimmend.

Berührung

Agnes schnappte sich ihre Wasserflasche und wollte den Raum verlassen, als Noemi sie an der Hand hielt. „Glaub mir, ich wollte das nicht,“ flehte sie.
„Es ist aber passiert.“ Kurze Pause. Die beiden Mädchen schwiegen sich an, und irgendwie wurde Agnes verlegen. Sie wurde knallrot im Gesicht.
„Du… findest das vielleicht nicht schlimm. Aber ich kann das nicht mit Humor nehmen. Echt nicht. Also bitte, stell das klar. Wirklich,“ bat sie sie. Noemi nickte. Etwas widerwillig, aber sie nickte.
„Ich versuchs mal. Aber du solltest mitkommen. Der Breitner glaubt mir eh nichts. Was hat er eigentlich zu dir gesagt?“

Verlegenheit

Agnes zuckte mit den Schultern. „Er war begeistert von meinen früheren Essays. Dann hat sein Handy geklingelt, er sah drauf, und hat gelächelt. Dann meinte er, der Wettbewerb würde wohl bei mir nicht an erster Stelle stehen, und hat mir das Bild gezeigt,“ beendete sie ihren kurzen Bericht.
Wieder schwiegen beide. Plötzlich zog Noemi ruckartig ihre Hand zurück, mit der sie die ganze Zeit Agnes festgehalten hatte.
„Sorry. Der ist eh ’n Arsch.“ Sie sah von ihrer Bank schüchtern nach oben und lächelte vorsichtig. Agnes lächelte zurück. „Wahrscheinlich, ja.“
Dann klingelte es zerriss die Stille.
Verlegen kratzte Noemi sich am Kopf und stand auf. „Sollen wir nach unten gehen?“ fragte sie, immer noch etwas rot im Gesicht. „Ziehst du dich nicht um,“ erwiderte Agnes und Noemi sah zu Boden.
„Oh. Doch, natürlich,“ brummte sie.
„Ich geh schon mal vor“, verkündete Agnes und verschwand durch die Tür.
Noemi blieb verwirrt zurück. Sie verstand sich nicht. Agnes war nichts Besonderes. Sie war nicht hübsch, nicht besonders toll, und nicht so sehr nett. Trotzdem hatte sie Herzklopfen. Sie setzte sich wieder, und stand erst auf, als am Ende der Stunde die anderen kamen, um sich wieder umzuziehen.


Das Team von gorizi.de bedankt sich ganz herzlich bei Honigfee für die schöne Geschichte.

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