Organspende

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  • #30878
    Profilbild von einer Goriziehemalige Gorizi

    Ich war lange Zeit sehr unsicher, ob ich der Organspende zustimmen soll. Und zwar aus dem Grund, dass ich meinen Angehörigen Zeit zum Trauern geben möchte. Wenn ich für eine Organspende geeignet bin, dann muss ich im Krankenhaus sterben, muss sofort operiert werden, usw. Meine Angehörigen haben nicht die Gelegenheit, bei mir zu sein wenn ich sterbe, bzw. auch danach noch an meinem Bett zu sitzen und meinen Tod zu akzeptieren. Und ich habe nicht die Gelegenheit, woanders als im Krankenhaus zu sterben. Und ja: Das ist mir mehr wert als das Leben eines fremden Menschen, so hart es auch klingt. Aber es ist für das Leben meiner Menschen bedeutsam, ob sie gut mit mir abschließen können.

    Erst als mir klar geworden ist, dass es nur sehr selten ist, dass eine Organspende möglich ist, und das oft nach Unfällen oder so etwas, habe ich meinen Organspendeausweis unterschrieben und zugestimmt. Wenn es so selten ist, dann ist es okay. Wenn ich eh schon im Krankenhaus bin. Wenn eh niemand die Gelegenheit hat, sich darauf vorzubereiten und bei mir zu sein. Dann kann ich genauso gut noch etwas gutes tun mit meinen Organen.

    Trotzdem hoffe ich, dass das nicht nötig ist. Ich möchte friedlich im Kreis meiner Liebsten sterben, und nicht hektisch in einen OP gebracht werden, sobald ich tot bin.

     

    Deshalb bin ich auch gegen eine verpflichtende Organspende, der man nur wiedersprechen kann. Ich hab einige Zeit gebraucht, um mich dafür zu entscheiden. Und es ist verdammt noch mal mein eigenes Recht, über meinen eigenen Tod zu entscheiden! Da darf kein Gesetz etwas mitreden (das tun schon viel zu viele Gesetze). Ich sterbe, wie ich will. Und diese Freiheit werde ich nur freiwillig einschränken.

    Viele Menschen haben vielleicht kein gutes Gefühl bei der Organspende, sind aber zu wenig informiert oder zu unsicher, als dass sie aktiv wiedersprechen würden. Aber auch diese Menschen haben das Recht auf einen Tod, der für sie angenehm ist. Diese Menschen dürfen nicht in eine Situation gezwungen werden, die sie unglücklich macht.

    Ja, andere Menschen brauchen die Organe. Aber es ist meine Entscheidung, was ich von meinem Körper hergebe, und eine so gravierende Entscheidung muss aktiv getroffen werden!

    #30879
    Profilbild von einer Goriziehemalige Gorizi

    @.in.love.with.live.

    Ich stimme dir vollkommen zu, dass das jeder für sich selbst entscheiden muss und man keinen zur Organspende zwingen darf. Und wenn sich jemand, aus welchen Gründen auch immer, nach reifer Überlegung gegen eine Organspende entscheidet, habe ich dafür vollsten Respekt.

    Ich finde nur dieses Desinteresse so schlimm. Ideal wäre es natürlich, wenn man durch Aufklärung und Informationen mehr Menschen dazu bewegen könnte, sich von sich aus einen Organspendeausweis zuzulegen. Aber das funktioniert ja leider nicht. 

    Und ich persönlich sehe nicht ein, warum viele Menschen sterben müssen, nur weil andere Menschen so ignorant sind und sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Natürlich kann ich aber auch niemanden dazu zwingen, sich damit auseinanderzusetzen. Ich denke allerdings, dass sich die Menschen, die Wert darauf legen, wie, wo und unter welchen Umständen sie sterben, von sich aus damit auseinandersetzen und dann gegebenenfalls einer Organspende widersprechen. Wer sich überhaupt nicht mit solchen Themen auseinandersetzt, dem scheint das alles ja ziemlich egal zu sein, daher fände ich es durchaus gerechtfertigt, jeden Menschen zu einem Spender zu machen, der nicht widerspricht. 

     

    Aber sowas hat wohl auch viel mit der Einstellung gegenüber dem Tod zu tun. Ich will zum Beispiel keine Beerdigung, kein Grab, keine Trauerfeier oder sonstiges. Wie und wo ich sterbe ist mir ebenfalls egal, da ich der Überzeugung bin, dass ich nach meinem Tod nichts mehr von all dem mitbekommen werde. 

    #30880
    Profilbild von einer Goriziehemalige Gorizi

    Hm, also mit dem Desinteresse stimme ich dir auf jeden Fall zu. Ich bin ja grundsätzlich auch dafür, dass mehr Menschen sich dafür entscheiden, weil es vielen helfen würde, leben zu können – aber ich bin halt etwas stärker noch dafür, dass diese Entscheidung völlig ungezwungen getroffen werden muss. Mit mehr Überzeugung, Aufklärung usw (z.B. hatte ich einfach lange Zeit die Infos nicht, die ich für meine Entscheidung brauchte!). Und wenn das nicht geht, dann geh ich sogar so weit zu sagen: Dann hilft es eben nicht. Spende ja, aber nicht um jeden Preis.

    Ich glaube nämlich, dass es den Leuten, die sich nicht damit auseinandersetzen, trotzdem nicht egal ist. Ich glaube, oder habe schon mitbekommen, dass viele Menschen sehr Angst vor dem Gedanken an den Tod haben. Und aufgrund dieser Angst verdrängen sie die Möglichkeit, sterben zu können. Mit einem erzwungenen Organspende-Ja bringe ich Leute, die psychisch vielleicht nicht dafür bereit sind, dazu, sich über ihr endliches Leben Gedanken zu machen. Und wer weiß was ich damit für Schaden anrichten könnte? Diese Entscheidung, ein generelles Ja einzuführen, geht weiter, als nur ein paar Leute denen es eh egal ist, dazu zu bekommen. Das ist eine Verantwortung, die ich nicht tragen möchte: Zu wissen, dass ich in den Tod anderer Menschen eingreife, und sie vielleicht psychisch auf eine Art fordere, zu der sie im Moment nicht bereit sind.

     

    Ich bin übrigens auch der Meinung, dass nach dem Tod nichts kommt. 😉 Aber trotzdem will ich während dem Tod in einer schönen Umgebung sein, denn das ist mein letzter Augenblick in einem hoffentlich wundervollen Leben – der soll toll sein. Und dann geht es mir sofort an zweiter, oder vielleicht sogar an erster Stelle, um meine Angehörigen: Die müssen entscheiden, wie sie sich am liebsten von mir verabschieden möchten. Das ist für mich das wichtigste.

    #35059
    Kate
    Teilnehmer

    Ich will nicht spenden, weil ich oppositionelle und rare, aber ethische Ansichten habe und es unwahrscheinlich ist, dass eine/r der Organe brauch diese akzeptieren und ausleben würde. Daher aufgrund von gegensätzlichen Weltanschauungen, will ich nichts spenden. Als Beispiel bin Veganerin und ein Karnivor soll durch meine Organe, Gewebe oder Blut weiter leben? Der ist dann noch dazu auf nicht vegane und an Tieren getestete Medikamente und Infusionen angewiesen. Oder zweites Beispiel Lesbe soll hetero-sexistischer Frau was spenden, Antinatalistin einem Pronatalisten oder feministische Frau einem Patriarchen. Da sollen sie sich eine andere Dumme für suchen.

     

    Ich habe einen Organspendeausweis, zusätzlich eine Widerspruchserklärung, hausärztlich unterschriebene Patientenverfügung, ergänzend dazu eine „PatVerfü“ von der antipsychiatrie Bewegung und meine Bestattungsverfügung gemacht.

    Alles wird jedes Jahr aktualisiert.

     

    Ich will selber keine Organe, Gewebe oder Blut von Normalen etc. Keine lebenserhaltenden Maßnahmen wenn es wirklich nicht mehr geht. Dann ist eben Schluss, dem trauer ich nicht sehr nach, da es im Patriarchat ohnehin zu oft schrecklich war zu (über)leben.

    LG

     

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